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   Wittgensteiner Schieferpfad (Rothaargebirge)
  




"Mehr Schein als Sein" - Wittgenstein
 





Unsere Gesamtbewertung:
2,5 von 5 Sternen

 


Schwierigkeitsgrad "mittel"
innerhalb der Kategorien:
Mittelgebirge/ Halbtagestour





(mehr Bilder finden Sie weiter unten auf dieser Seite im Rahmen einer "Fotostrecke")


"Mehr Schein als Sein" - besser als mit dieser Redewendung kann man den
Charakter dieser Wanderstrecke wohl nicht umschreiben. Damit wird auch
bereits im allerersten Satz klar, dass dieser Tourbericht keine Lobeshymne
wird. Dass wir die Strecke trotz der im Folgenden ausgeführten eklatanten
Mängel für würdig erachten, hier vorgestellt und (zumindest in Teilen)
gegangen zu werden, ist der Tatsache geschuldet, dass sie durchaus
reizvolle Abschnitte besitzt.

Selbstverständlich ist das Urteil, das man letztendlich über einen Gegenstand,
einen Sachverhalt oder eben auch eine Wanderroute fällt, nicht unerheblich
von Erwartungshaltung und Vergleichsobjekten abhängig. Und selbstverständlich
ist uns klar, dass jede Strecke und jede Landschaft bei trübem, kühlem Wetter
rein gefühlsmäßig an Flair verliert. Deshalb vorweg: Unsere Erwartung an eine
gut angelegte, spannende Strecke beinhaltet einige echte optische Highlights,
möglichst große Vielfalt im Hinblick auf Topografie und Vegetation, ein wenig
Abenteuerfeeling, das wohltuende Fehlen störender, stressender, zivilisations-
bedingter Faktoren wie etwa Industrielärm oder Betonbauwerke und gern auch
ein wenig motorischen Anspruch. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass
eine wirklich schöne Strecke auch ohne Sonnenschein noch das Zeug hat,
dem Outdoor-Fan den einen oder anderen erfreuten Ausruf zu entlocken.

Im Gegensatz zu einigen Wanderern, die zu unserer Verwunderung im Netz
relativ begeistert von dieser Strecke berichten, sind wir der Ansicht,
dass die Tour unter oben genannten Gesichtspunkten sicher sehr nett
für begeisterte Spaziergänger aber eine Enttäuschung für erfahrene,
ambitionierte (Berg)Wanderer ist.


Der rund 15 Kilometer lange "Wittgensteiner Schieferpfad" im Rothaargebirge
wurde von uns an einem verhangenen Spätoktober-Montag bei etwa 7° C
gewandert. Die gefühlte Temperatur lag noch weit darunter, was vermutlich
nicht zuletzt auf die optische Kühle der Umgebung mit ihren überwiegend
grau in grau schiefergetäfelten und -gedeckten Häusern zurückzuführen
war, so dass wir trotz angepasster Kleidung vormittags am Parkplatz
bereits fröstelnd starteten. Einem Internetbericht vertrauend freuten
wir uns nach fast zweistündiger Anreise dennoch auf eine spannende,
landschaftlich schöne Strecke mit industrie-historischen Exkursionen
am Wegesrand. Dass die Gegend durch den massiven Schieferabbau
dauerhaft geprägt ist, war uns klar und wurde von uns erst einmal
wertfrei als interessante Besonderheit im Hinterkopf mitgeführt.
Kurzum: Was wir vorfanden, war in weiten Teilen weder hübsch
noch über die Maßen lehrreich oder gar spannend!

Allein schon die Wegbezeichnung "Schieferpfad" ist nur insofern korrekt
als man tatsächlich mehr von diesem anthrazitfarbenen Material zu sehen
bekommt als womöglich jemals zuvor in seinem Leben. Als "pfadartig" kann
man die Streckenführung allerdings nicht reinen Gewissens bezeichnen oder
um unserem Unmut über die absichtliche Irreführung von Wanderfreunden
durch den Wegbetreiber hier einmal in deutlichen Worten Luft zu machen:
Wenn man immer wieder wie ein Trottel auf albern anmutenden, sinnlosen,
hässlichen Trampelpfaden direkt parallel zu Waldwirtschaftswegen bzw.
Hauptverkehrsstraßen (manchmal gerade mal 1 m daneben!) herumgeleitet
wird, wo man durch Matsch watet, sich durchs Gestrüpp zwängt oder
über Stämme kraxelt, nur um festzustellen, dass man nach spätestens
20 oder 100 Metern wieder auf dem selben, ohnehin weiterführenden
Weg steht, fühlt man sich verarscht!

Hier wurde eindeutig versucht, die Strecke zu dehnen und einem Weg
künstlich ein abenteuerliches, "wildes" Flair zu verleihen, das er einfach
nicht hat. Kleinen Kindern mag es Freude bereiten, sich mit Rucksack
direkt neben einer Fahrbahn oder einem Schotterweg durchs Gebüsch
zu schlagen – routinierte Wanderer dürften spätestens nach dem
dritten Abstecher dieser Art ärgerlich werden, vor allem, wenn diese
"Pfade" dann zuweilen auch noch im Nirwana enden. An diesem
Punkt streift die Kritik bereits das Thema der "Ausschilderung",
auf das wir aber an anderer Stelle näher eingehen werden.
Bedauerlicherweise ist man geneigt, die beschriebenen seltsamen
Pseudo-Pfade im Nachhinein sogar noch als "angenehmeren Teil"
der Strecke zu bezeichnen. Nicht selten geht es direkt an der
Landesstraße oder auf reizlosen Wirtschaftswegen entlang
bzw. über trostlose Weideränder.

Hier nur noch der zweite besonders negative Aspekt der Route:
Während beinahe der gesamten Tour waren wir einer Lärmbelästigung
durch Straßenverkehr und auch Industrie ausgesetzt wie noch nie
zuvor bei einer Wanderung. Stundenlang waren die unzähligen Pkw,
Busse und Lkw, die sich durchs Tal mühen, unser nerviger
akustischer und leider häufig auch optischer Begleiter.

Und ja, doch, in dieser an sich nicht reizlosen Landschaft inmitten des
Naturparks Sauerland-Rothaargebirge trifft der Wanderer natürlich auch
auf einige recht idyllische Fleckchen - offen gestanden nichts, wofür
sich eine mehrstündige, explizite Anfahrt lohnen würde, sprich, was man
nicht auch in jeweiliger Heimatnähe vorfinden würde, aber eben hübsch.
Da gibt es ein paar Klippen auf dem Hügel und im Wald, drollige Esel
und Ziegen hinterm Gatter am Wegesrand und eben immer wieder
Unmengen von Schiefer auf Dächern, Mauern oder Halden.
Und tatsächlich wurde auch in einem hinteren Abschnitt der Strecke
ein mehrere hundert Meter langer, relativ spannender Pfad in einen
Waldhang modelliert, auf dem das Bergwanderer-Herz letztendlich
doch noch ein paar kleine Freudenhopser macht.

Unser Fazit: Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge hat wunderbare
Wege für passionierte Wanderer zu bieten,… aber eben nicht diesen, auch
wenn er 2005 das "Deutsche Wandersiegel" als "Prädikats-Wanderweg"
erhielt. Wer ohnehin im Urlaub, zur Kur oder auf Besuch in der Gegend
von Bad Berleburg weilt, Bewegungsdrang verspürt und weder einen
großartigen Fernblick noch sonstige Highlights oder technische
Herausforderungen erwartet, sollte unseres Erachtens ruhig den
einen oder anderen etwas weiter von Straße und Ortschaften
gelegenen Abschnitt per Spaziergang erkunden.

Wanderfreude, echtes Naturerlebnis und Abschalten vom Alltag
geht allerdings anders!
 


Länge

ca. 15 km
 


Landschaft

Hügelig, überwiegend Laubwald, einige einzelne Felsen, Schiefer, Schiefer, Schiefer…
 


Streckenführung

Für eine Wanderstrecke enorm viele Wirtschaftswege. Darüber hinaus auch
Straßenquerungen und lange Abschnitte an der Hauptstraße. Suggestion
von Wildnis durch Anlegen künstlicher Pseudo-Pfade. Einmal Aussicht
von einem exponierten Felsen auf Unterholz und nahen Wald.
 


Streckenzustand

Auf den Wirtschaftswegen normal, ansonsten sehr mittelmäßig. Erfreulich: Abseits
der Straße im Wald etc. wenig Unrat. Trampelpfade enden teilweise im Nichts,
sind von Gestrüpp und Stämmen blockiert oder ähneln einem Schlammbad.
Dürftige Beschilderung: Das Fledermaussymbol ist viel zu selten angebracht
und dann häufig auch noch "versteckt", so dass man stellenweise umherirrt
bzw. ständig suchen muss. Einige, wenige Sitzbänke (unseres Wissens
keine Tische). Keine Einkehrmöglichkeiten.
 


Schwierigkeitsgrad

Aufgrund der Streckenlänge, einiger Steigungen, der Orientierungsprobleme
und der eingebauten Schikanen mittel.
 


Erforderliches Equipment

Festes Schuhwerk. Proviant. Niedrige Erwartungshaltung! ;-)
 


Familientauglichkeit

Mit lauffreudigen Kindern im Schulalter gut machbar.
Für Kinderwagen und Buggys nicht geeignet.
 


Wandern mit Hund

Kein Problem für gesunde Tiere.
 


Tipps

Dürftige Beschilderung: Karte mitnehmen!

Um weniger Lärmbelästigung zu haben, vielleicht besser sonntags
und wenn sich Laub an den Bäumen befindet laufen.

Hellen, sonnigen Tag wählen, da die Optik sonst ein wenig trübsinnig machen kann.
 


Foto-Streckenbeschreibung

(Bilder bitte anklicken, um sie im Großformat zu betrachten)


Unweit des Wanderparkplatzes beim Ort Raumland am Südhang des
Rothaargebirges im nordrhein-westfälischen Sauerland: kein Wegekreuz,
das den Wanderer zu kurzer Andacht einladen möchte, sondern ein alter
Zaunpfahl vor einer Wand des ehemaligen Schieferabbaugebietes "Hörre".
Hinter hohem Maschendrahtzaun tummeln sich hier heute Ziegen und
beäugen den Wanderer interessiert. Raumland ist ein Ortsteil von
Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein.





Saalartig öffnet
sich eine große
Bucht im Gestein
rechts des Weges –
ein ehemaliger
Tagesbruch.

Jemand hat aus
alten Baumstämmen
pfiffig drei Sessel
gesägt. "Bei
schönem Wetter
müsste man in
dieser offenen
"Halle" toll feiern
können!", kam
uns in den Sinn.










Immer der Fledermaus folgen, mit der dieser Weg gekennzeichnet ist. Leider ist
er dies nur sporadisch und oft so unscheinbar, dass man sich verläuft, wenn man
nicht ganz konzentriert nach dem geflügelten "Nachtschwärmer" Ausschau hält.
Ralf lächelt, denn an dieser Stelle ist er noch in dem Glauben, der permanente,
nicht ausblendbare Verkehrs- und Industrielärm, der von B480 und Ortschaft
zu uns heraufdringt, werde nun bald versiegen. Zu früh gefreut: Der Krach
bleibt fast die ganze Zeit über unser Begleiter! Krach bei der Brotzeit,
Krach im Wald, Krach auf der Klippe…











Lacht noch in Vorfreude
auf vermeintliche
Naturhighlights und
hat noch nicht ganz
begriffen, dass der
serpentinenartige,
abschüssige "Pfad"
über die Waldböschung
nur der Unterhaltung
des Wanderers in
Ermangelung echter
Highlights dient und
eine Art Beschäftigungs-
therapie darstellt, die sich
auf der Tour leider noch
allzu oft wiederholen wird.

























Lehrmaterial zur Historie
der Gegend auf einer Tafel.
Schüler hatten an dieser
Stelle vor einigen Jahren
eine alte Straße freigelegt,
auf der sich deutlich die
Spuren der eisenbeschlagenen
Räder von den Karren
eingeschliffen hatten,
auf denen Eisenerz oder
Holzkohle einst bergab
befördert wurde.





























Zeugnisse
einer
arbeitsreichen,
beschwerlichen
Vergangenheit
in den Stein
gemahlen.























Wir haben das Steinbachtal hinter uns gelassen und nähern uns der
höchsten Stelle der Tour. Leider wollte der Himmel an diesem Tag
in diesem ohnehin regenreichen Gebiet gar nicht aufziehen.
















Kammartig erhebt sich der
Felsgrad des "Fredlar"
auf 576 m Höhe.
Genau diese Erhebung
hatte uns als begeisterte
Klippen- und Bergfreunde
eigentlich zu der Tour
bewogen.



















Voilà, der topografische Höhepunkt der Strecke.
So richtig glücklich schaut Ralf allerdings nicht in die Kamera, denn wie man sieht,…




… sieht man nicht viel: Schonungen, Weide, Waldrand, Nebel und eine Klippe,
die fast jedes fünfjährige Kind leicht "erklimmen" kann und die selbst
Höhenphobikern kaum das Fürchten lehren wird.


















Statt
Schiefer
hier einmal
Basalt
in schöner
Formation.





































Eine Klippe
aus Basalt
auch unterhalb
der Bank, auf
der wir hier
unsere zweite
Brotzeit
einnahmen.



















"Braut" und "Bräutigam" heißen die schön schillernden Basaltklippen, die der
Wanderer hier im Eichenwald des Naturschutzgebietes Honert passiert.

















Schieferhalden
säumen die
Strecke auf
dem Weg zum
Bilsterbachtal,
der sich leider
ein wenig trist
hinzieht.





















Aufgrund der schlechter werdenden Licht- und Witterungsverhältnisse
ziemlich unscharf: langsam wird die Strecke ein bisschen "abenteuerlicher",
wenn sie landschaftlich - zumindest zu dieser Jahreszeit und
trüben Witterung - auch nicht so viel hergibt.
















Wir erreichen
den "Feuerweg"
und sind uns
aus sicher
verständlichen
Gründen nicht
ganz sicher, ob
wir ihn wirklich
betreten möchten...
und können.
























Unnachahmlich das Geräusch,
das sich ergibt, wenn man
die Wanderschuhe mühsam
aus dem Morast zieht, in
dem man fast knöcheltief
versinkt, während man
sich vorsichtig vorantastet,
um Ganzkörperkontakt mit
dem blubbernden, braunen
Matschzeug zu verhindern.

Okay, Ralf, da musst Du
jetzt durch! ;-) Und Leilah
gleich fluchend hinterher.

Aus Anstandsgründen
möchten wir an dieser
Stelle auf die Wiedergabe
des genauen Wortlautes
der stattgefundenden
Untergrund-Beschimpfung
verzichten. :-)











Eigentlich ist er nämlich auch sehr idyllisch und macht Spaß,
dieser "Feuerweg", der laut Hörensagens ehemals weit oberhalb
der Bahntrasse angelegt wurde, um durch den Funkenflug
der Dampfloks ausgelöste Brände gut löschen zu können.
Schade, dass sich der Pfad irgendwann im Nirwana verläuft.




Letzte Aufnahme von Ralf auf dem hier sogar etwas abenteuerlich
ausgesetzten "Feuerweg" bevor ihn die nächste Biegung nebst
einsetzender Dämmerung verschlingt. Eigentlich ist hier die Tour
auch beendet bzw. sollte es sein, denn der Rückweg auf der
ehemaligen Bahntrasse, jetzt Fuß- und Radweg, erst neben der
Fahrbahn und im weiteren Verlauf entlang der Eder inklusive
einiger kleiner Waldabstecher ist nicht wirklich unterhaltsam.


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